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Erneuerbare Energie für Alpbetriebe, Berggastwirtschaften und Berghütten

Von: Daniel Zenhäusern  (SPF News-Artikel vom 15.06.2022)

Ein Stück schmackhafter Alpkäse, die warme Stube in der SAC-Hütte, oder ein kühles Bier auf der Sonnenterrasse nach der Bergwanderung, das alles braucht Energie. Energie an Standorten, die sehr häufig abgelegen von Verkehrswegen liegen und oft nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen sind, sogenannten energetischen Inselstandorten.

In der Schweiz befinden sich viele Alpbetriebe, Berghütten und Berggastwirtschaften an Inselstandorten. Vielerorts werden heute noch fossile Energieträger eingesetzt. Zudem werden Brennstoffe teilweise aufwändig herantransportiert. Dabei sind gerade solche Standorte aufgrund ihrer sonnigen Lage oder auch ihrer nahe zu einem Gebirgsbach oft prädestiniert für den Einsatz lokaler erneuerbaren Energien, wie Solarstrom, Solarwärme und Wasserkraft. Es bietet sich also hier die Chance, vermehrt auf Erneuerbare zu setzen.

Wofür brauchen Alpbetriebe, Berghütten und Berggastwirtschaften Energie und wie viel? Woher beziehen sie diese aktuell? Wie und zu welchem Preis könnten die Bedürfnisse mit lokalen erneuerbaren Energien abgedeckt werden? Diesen Fragen hat sich das SPF in einer von EnergieSchweiz beauftragten Studie gewidmet. Der daraus entstandene Bericht informiert Besitzer und Betreiber von Inselstandorten über die Möglichkeiten der erneuerbaren Energien, liefert Planern nützliche Planungsgrundlagen und Hinweise auf weitere Informationsquellen und Anlaufstellen, und liefert Behörden, Verbänden und anderen Institutionen eine Informationsbasis für eine gezielte Förderung der Substitution von fossilen Energien in diesem Bereich.

Alpbetriebe

Rund 7'000 Alpbetriebe zählt die Schweiz, auf denen jährlich etwa eine halbe Million Tiere gesömmert und 4'000 Tonnen Alpkäse produziert werden. Viele von ihnen befinden sich an Inselstandorten, von den über eine Umfrage erfassten 500 Betriebe sind es rund 70 %. Vor allem die rund 30 % Melk- und Käsealpen brauchen Energie, in Form von Wärme für die Gebäudeheizung und Reinigung der Einrichtungen und in Form von elektrischem Strom, insbesondere für Melkmaschinen und Milchkühlung. Während für die Wärmeerzeugung vor allem Holz eingesetzt wird, wird Strom hauptsächlich mit Diesel-Stromaggregaten erzeugt. So wird auf den Sömmerungsbetrieben geschätzt jährlich rund eine Million Liter Diesel verstromt. Viele Älpler möchten denn auch vom Diesel wegkommen, und das nicht zuletzt, weil ratternde Generatoren nur sehr schlecht ins Bild der naturnahen Alpwirtschaft passen.

Vielerorts wird bereits ein Teil des Stroms aus lokaler erneuerbarer Energie gewonnen. 10 % der 307 erfassten Inselbetriebe verfügen über ein eigenes oder gemeinschaftliches Kleinwasserkraftwerk. Dieses deckt dann in der Regel den Grossteil des Stromverbrauchs ab. Wenn ein Standort für die Errichtung einer Kleinwasserkraftanlage geeignet ist, ist das eine ideale Lösung. Gar knapp die Hälfte der Betriebe verfügen bereits über eine Photovoltaikanlage, jedoch nur vier davon mit einer Leistung > 1 kWp. Die Photovoltaik wird also breit genutzt, jedoch in aller Regel nur für Licht und teilweise Haushaltsgeräte, aber kaum für Produktionsprozesse. Insbesondere hier liegt für Alpbetriebe also noch ein grosses Potenzial.

Eine Herausforderung für den wirtschaftlichen Betrieb einer PV-Anlage als Hauptstromerzeuger liegt darin, dass eine fixe Anlage auf einer Alp nur rund 100 Tage im Jahr genutzt werden kann. So ist bei solchen Anlagen aktuell die kWh PV-Strom noch etwas teurer als Dieselstrom. Eine interessante Lösung um die Solaranlage auch ausserhalb der Alpsaison nutzen zu können bieten mobile Anlagen, wie sie auf der Alp Lungener Seefeld und einigen anderen Alpen eingesetzt werden (Abbildung 1). Der Batteriespeicher befindet sich hier auf einem Anhänger und kann ausserhalb der Alpsaison im Tal eingesetzt werden. Im Fall dieser Alp ist sogar die PV-Anlage mobil ausgeführt und produziert so je nach Saison auf der Voralp, der Alp und im Tal Solarstrom.

Abbildung 1: Alpgebäude auf der Voralp Hüttschisbach unter dem Lungener Seefeld mit mobiler PV-Anlage (16 kWp), und mobilem Batteriespeicher (18 kWh) in einem Anhänger hinter dem Gebäude (kleines Bild). Auf dieser Käsealp mit 25 Milchkühen konnte dank der PV-Anlage der Dieselverbrauch von rund 500 auf 50 Liter pro Saison reduziert werden.

Berggastwirtschaften

Auch viele Gastwirtschaften befinden sich hierzulande an Inselstandorten. Sie sind sehr unterschiedlicher Art, das Spektrum reicht von der Buvette eines Alpbetriebs, die Getränke und kalte Speisen anbietet, bis zu Berggasthöfen mit breitem Speiseangebot und Übernachtungsmöglichkeit. So sind denn auch die Energiebedürfnisse sehr unterschiedlich. Gegenüber Alpbetrieben benötigen Berggastwirtschaften mehr bzw. grössere elektrische Geräte. In der Regel sind dies Kühlschränke, Tiefkühlgeräte, Geschirrspüler, Kaffeemaschine und zusätzliche Küchen- und Haushaltsgeräte. Die Gästebewirtung ergibt auch einen höheren Wärmebedarf für Warmwasser, Kochen und Raumheizung.

Auch in diesem Segment wird teilweise Strom aus lokaler Wasserkraft generiert. Vielerorts setzen aber auch Berggastwirtschaften fossile Brennstoffe zur Stromerzeugung ein, in vielen Fällen mehrere Tausend Liter Diesel pro Jahr.

Im Unterschied zu Alpbetrieben haben Berggastwirtschaften längere jährliche Betriebsperioden. Reine Sommerbetriebe sind während 5 – 6 Monaten, andere haben eine Sommer- und eine Wintersaison oder sind ganzjährig geöffnet. Dies ermöglicht dann auch entsprechend geringere Amortisationszeiten für erneuerbare Energieversorgungsanlagen.

Wo also Wasserkraft oder ein Netzanschluss keine Option ist, wird eine Photovoltaikanlage fast überall einen guten Beitrag zur ökologischen Stromerzeugung leisten und gleichzeitig die Stromkosten senken. Aufgrund des typischerweise hohen Warmwasserbedarfs, kann bei Gastwirtschaften auch eine Solarwärmeanlage interessant sein (Abbildung 2). Zum Beispiel bei einem Betrieb mit Sommer- und Wintersaison und einem Warmwasserverbrauch von 1'000 Liter pro Tag, können mit 20 m² Solarwärmekollektoren 75 % des Warmwassers erzeugt werden, mit Kosten von rund 13 Rp./kWh. Das ist deutlich günstiger als Flüssiggas und etwa gleich teuer wie Holz, welches jedoch herantransportiert werden müsste.

Abbildung 2: Anteil der Energie für die Bereitstellung von Warmwasser bei 50 °C, der durch unterschiedlich dimensionierte Solarwärmeanlagen gedeckt werden kann. Hier gerechnet für den Standort Älggialp.

Berghütten

Bei den in der Schweiz über 200 bewirteten Berghütten ist aufgrund deren häufig sehr isolierter Lage die Nutzung lokal produzierter erneuerbarer Energie schon lange ein wichtiges Thema. Es werden vielerorts Kleinwasserkraft, Photovoltaik und zum Teil auch Solarwärme eingesetzt. Speziell an der Situation von Berghütten ist, dass die Ver- und Entsorgung oft ausschliesslich per Helikopter erfolgt. Aus diesem Grund können bei Brennstoffen sowohl die Kosten als auch die Umweltauswirkungen (CO₂-Emissionen) des Transports stark ins Gewicht fallen. So kann es hier insbesondere aus ökologischer Sicht ein grosser Vorteil sein, Holz und auf jeden Fall so viel Gas wie möglich durch Solarwärme zu substituieren. Einige Hütten setzen bereits stark auf Solarwärme (Abbildung 3), es besteht aber in diesem Bereich noch viel Potenzial.

Abbildung 3: Die im Jahr 2020 erneuerte Es-Cha Hütte oberhalb von Madulain mit dachintegrierter Solarwärmeanlage (21 m²) und PV-Anlage (3.6 kWp). Die Solarwärmeanlage ersetzt pro Jahr ca. 7.5 Ster Holz, die sonst herangeflogen werden müssten. Die PV-Anlage erzeugt in Kombination mit einer kleinen Wasserturbine (50 W) den gesamten Strom.

Zusammenfassung & Ausblick

Vor dem Bau oder der Erweiterung von Energieversorgungsanlagen, gilt es natürlich speziell an Inselstandorten, den genauen Energiebedarf zu ermitteln und mögliche Energieeffizienzmassnahmen zu prüfen. Oft kann nämlich auf einfache Weise, etwa durch den Einsatz effizienter Geräte oder kleine bauliche Massnahmen bereits viel bewirkt werden. Auch diesen Themen ist ein Teil der SPF-Studie gewidmet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Solarenergie und auch die Kleinwasserkraft viel Potenzial bergen, um Inselstandorte noch ökologischer zu betreiben. Eine Reihe von guten Beispielen existiert bereits, bald werden sicher noch viele weitere realisiert. Der Bericht des SPF kann dabei ein wertvolles Hilfsmittel sein:


Foto Daniel Zenhäusern

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Daniel Zenhäusern

 

 

 

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